Töchter des Feuers, Bräute des Windes ...

Die Araber, die vermutlich als erste Seefahrer im 12. Jhd. die Azoren entdeckten, bezeichneten die Inseln als „Töchter des Feuers, Bräute des Windes“. Diese so überaus poetische Namensgebung trifft es aber recht genau: Nur durch günstige Winde konnten die Seefahrer damals die weit draußen im Atlantik liegende, kleine Inselgruppe, die „Bräute des Windes“, erreichen.

 
„Töchter des Feuers“ sind die Azoren ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes, denn bis auf Santa Maria, die überwiegend sedimentisch aufgebaut ist, sind die Inseln vulkanischen Ursprungs. (Der letzte Vulkanausbruch wurde 1957 auf Faial auf der Zentralgruppe registriert.)

Die "Habichts"-Inseln

Die Entdeckung der Azoren durch Europäer wird Goncalo Velho Cabral, einem Kapitän unter dem Portugiesen Heinrich dem Seefahrer im Jahr 1432 zugesprochen. Die Insel Santa Maria wurde als erste entdeckt und besiedelt – an einem 15. August, also an Maria Himmelfahrt, daher der Name. Der "Arquipelago dos los Açores" wurde von den portugiesischen Seefahrern benannt nach den "Açores", den Habichten, mit denen die Entdecker die häufigen Mäusebussarde verwechselten.
 
Seit Beginn der Besiedelung gab es starke Einflüsse durch den regen Handel mit England, Frankreich, Flandern und natürlich mit den portugiesischen Kolonien in Lateinamerika.



Historische Seekarte der Azoren

Die autonome Region der Azoren

Nach der portugiesischen Revolution und dem Ende der Militärdiktatur unter General Salazar (der sog. Nelken-Revolution) im Jahr 1974 gab es starke Unabhängigkeitsbestrebungen. Im Jahre 1981 erhielten die Azoren zusammen mit Madeira innere Autonomie. Aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage weit draußen im Atlantik wurden die neun Inseln bis zum heutigen Tag fast völlig „übersehen“.

Lediglich auf der größten Insel Sao Miguel mit der Hauptstadt Ponta Delgada gibt es nennenswerten Tourismus bzw. Handel und Gewerbe in größerem Umfang, sowie eine Infrastruktur, wie wir sie vom europäischen Festland gewohnt sind. Industrie gibt es so gut wie keine.

Vom Walfang zum Whale-watching

Historische Aktie einer Azoreanischen Reederei
Historische Aktie einer Azoreanischen Reederei

Die Azoren waren jahrhundertelang Zwischenstation für die Segelschifffahrt in die neue Welt, und 150 Jahre lang von großer Bedeutung für den Walfang: Ende des 18. Jhds. kamen amerikanische und kanadische Walfänger, und machten Jagd auf die Meeressäuger der Azoren. Für einige Jahrzehnte sollte diese gefährliche und anstrengende Arbeit beinahe die einzige Erwerbsquelle der armen Inselbevölkerung darstellen.

Historischer Walfang auf den Azoren
Historischer Walfang auf den Azoren

Noch heute sind einige Walfangstationen architektonische Zeugen dieser düsteren Zeit. Seit den Siebziger Jahren ist diese Epoche glücklicherweise vorbei. Heute zücken Touristen lediglich Kameras, um die über 80 Wal- und Delphin-Arten, die hier zu beobachten sind, im Bild festzuhalten.

Die Azoreaner - schon immer Weltbürger

Die Verständigung ist sehr gut auf Englisch möglich. Die meisten Azoreaner lieben die englische Sprache und sind überhaupt sehr weltoffen. Dies ist auch historisch begründet:

Bitter arm, wie die Bevölkerung in der Vergangenheit war, suchten viele ihr Glück in den USA, Kanada, Venezuela und Brasilien.

Dies hat zur Folge, dass den heute ca. 250.000 Einwohnern auf den Azoren (100.000 davon in der Hauptstadt Ponta Delgada auf Sao Miguel) ca. 750.000 Auswanderer in den USA und in Kanada gegenüberstehen.

Da also fast jeder Einheimische Verwandte in den USA oder Kanada hat oder dort selbst viele Jahre verbracht hat, sprechen viele Azoreaner sehr gut englisch.

Tatsächlich gibt es angeblich einige Inselbewohner, die schon mehrere Male in den USA waren, aber noch nie auf dem europäischen Festland in Portugal.
Wappen der Azoren
Das Wappen der Azoren.