Ein mildes Klima für Ananas, Orangen, Tee - und für Urlauber

Das milde, ausgeglichene und durchgehend warme Klima ermöglichte seit jeher den Anbau von fast allen erdenklichen Agrarprodukten auf den Azoren. So findet man die bis vor kurzem einzige Teeplantage Europas auf der Insel Sao Miguel.

Weinberge bei MaiaWeinberge bei Sao Lourenco
Abbildung: Parzellen aus Natursteinmauern in den Weinbergen auf Santa Maria

In der Mitte des 15. Jhds. wurde der Färberwaid (Isatis tinctoria) auf den Azoren eingeführt. Der überwiegend nach Flandern exportierte Farbstoff war bis ins 17 Jhd. wirtschaftlich bedeutend. Der Begriff „blau machen“ stammt aus der Zeit, in der jeden Montag Stoffe blau gefärbt wurden. Als sich das preiswertere Indigo aus Indien und in der Mitte des 19. Jhds. die chemische Farbenindustrie durchsetzten, war es mit dem montäglichen „blau machen“ vorbei.

Historischer Ochsenkarren
Historischer Ochsenkarren

Bis heute sichtbar ist die zweite Quelle natürlicher Farbstoffe: Die orangefarbenen Flechten Urzela (Rocella tinctoria) wurden früher in mühevoller Erntearbeit gesammelt und ebenfalls zu Farbe verarbeitet.



Im 18. und 19. Jhd. waren die Azoren berühmt für ihre ausgedehnten Orangenplantagen, die bereits damals in die ganze Welt exportierten. Durch eine Seuche wurde aber der gesamte Baumbestand vernichtet, die Produktion danach nie wieder in dem vorherigen Umfang aufgenommen.


Bauernpaar in historischer Tracht

Heute werden Obst und Gemüse fast nur noch für den Eigenbedarf angebaut, obwohl die Inseln überaus fruchtbar sind. Neben den meisten Gemüsesorten, wie man sie aus Deutschland kennt, wächst auf den Azoren auch fast alles „Exotisches“: Von Artischocken und Süßkartoffeln über alle Arten von Zitrusfrüchten, Honigmelonen, Feigen, Bananen und Ananas, bis hin zu den wohlschmeckenden Früchten der Monstera (Fensterblatt), einer Pflanze, die wir sonst nur mit Bürobegrünung assoziieren.

Zierpflanzen aus der neuen Welt: Palmen, Agaven, Aloen
Weit verbreitete Zierpflanzen in den Gärten: Palmen und Scheinagaven

Endemische Pflanzen und "Eingeschlepptes"

Ursprünglich waren die neun Inseln nur von ca. 60 endemischen (also nur dort verbreiteten Arten) Pflanzen- und Tierarten besiedelt, heute zählt man alleine ca. 850 Pflanzenarten auf dem Archipel.

Farnblatt
Farnwedel

Ursprünglich ist vor allem der Urwald aus Lorbeer- (Laurazeen) und Riesenerika-Bäumen, sowie zahlreiche Moose und Farne, die nur auf den Azoren vorkommen. An Säugetieren gab es nur einen Landbewohner, die azoreanische Fledermaus, aber dafür 24 Arten von Meeressäugern - diverse Delphin- und Walarten.

Aloenblüte
Aloenblüte

Für den Touristen beruhigend zu wissen: Giftige Spinnen, Skorpione und Schlangen gibt es keine auf den Azoren. Vogelfreunde hingegen können sich freuen: Rotkehlchen, Finken, Stare, teils endemische Wasservögel sowie zahlreiche Raubvögel sind hier beheimatet.

Ingwerblüte
Ingwerblüte mit Fruchtständen

Blüte der Prunkwinde
Blüte der Prunkwinde

Eine interessante Website des Reisebuchautors Andreas Stieglitz über die Flora der Azoren:
Azorenflora
http://www.azorenflora.de/